Tag 0: Übergabe „smart-Style“

smart Übergabe

Donnerstag, 22.11.12, 09.00 Uhr, es schneit. Ein Jahr nach der ersten Probefahrt und der Reservierung, drei Monate nach der verbindlichen Bestellung ist es soweit: Überabe des smart fortwo electric drive im smart center München. Die Auslieferung hatte sich etwas verzögert. Die Gerüchteküche spekuliert über die Gründe. Angeblich hatte sich die Qualitätssicherung von Daimler nochmal wegen der Batterie eingeschaltet, wieder andere berichten unter der Hand von Verzögerungen beim COM-Modul… Alles vergessen, denn ab heute läuft das Experiment „Elektromobilität im Alltag“.

Die Übergabe gestaltet sich – sagen wir mal – relativ „einfach“. Die Klassikmusik aus der Klangdusche im Übergaberaum bemüht sich um Bedeutungsschwere, aber angesichts der Szenerie und der Uhrzeit mutet das etwas skuril an. Gen Nachmittag würde sich das Musikprogramm wandeln, sagt man. Mehr so moderner Hiphop, sagt man. Angemessene dramatrugische Untermalung erfährt man dann also erst nach dem Schnitzelkoma. Egal. Schön eingepackt haben sie ihn, meinen smart ED. Damit steuern wir auch schon auf den Höhepunkt der Übergabe zu. Ein paar Fotos für die Homepage, Decke lüften, freuen, alle Details abnehmen, Umweltplakette rein… und fertig ist die Laube. Gut, eine Einführung in die Bedienungsanleitung brauche ich nach den ausgedehnten Probefahrten wirklich nicht mehr. Und dennoch: Bei mir macht sich bemerkbar, wie verwöhnt / anspruchsvoll / „versaut“ man als Konsument sein kann. Die Erwartungshaltung war sicherlich überzogen der Pioniergeist rund um die Anschaffung eines Elektroautos würde mit einer  Übergabezeremonie a’la Apple-Store gewürdigt. Aber in Kopf hat man sie doch: Die jubelnden Apple-Mitarbeiter, die einen nach dem Kauf eines Smartphones beklatschen. Oder die Geschichten über winkende Jetblue-Mitarbeitern oder Farewell-Officer am Tokio Narita Aiport, die einen beim Abflug verabschieden. Oder die KLM-Mitarbeiter, die einem die Wartezeit am Flughafen mit einer kleinen Aufmerksamkeit versüßen. Oder die Überraschungsbesuche eines Cerealien-Herstellers in USA. Aber smart ist halt nicht Apple. Trotzdem schade.

Übergabe des smart

Zumindest fühlt man sich bei der Ausfahrt und den ersten Metern und der ersten kraftvollen, lautlosen und ökstrombetriebenen Beschleunigung wieder wie ein Pionier… Und die erste Bewährungsprobe für die Batterie kann kommen: Schneefall, 3 Grad Außentemperatur.

Ein erster „Erfahrungsbericht“ folgt. Nur soweit vorweg: Geil!

Wieviel mehr kostet ein Elektroauto?

Das Experiment „alternative Fortbewegung“ wird nicht günstiger als die fossile Variante. Das war mir durchaus bewusst. Aber wieviel mehr kostet der Spass nun wirklich?

Für unseren smartED habe ich das mal im hochgerechnet: Das „smart fortwo electric drive cabrio“ hat im Vergleich zum „smart fortwo passion cabrio“ mit vergleichbarer Ausstattung einen ca. 26% höheren Neupreis (netto, ohne Batterie). Aber wie hoch wird der Unterschied in der monatlichen Nettobelastung nach Berücksichtigung aller Anschaffungs-, Betriebskosten und Steuereffekte bei einem angenommenen Grenzsteuersatz von 42%?

Unter den Voraussetzungen:

  • Betrieb als Dienstwagen (Freiberuf)
  • Leasing 3 Jahre
  • Anzahlung 4.000 Euro netto
  • 10.000 KM Laufleistung / Jahr
  • Spritpreis 1,60 Euro (brutto, Super), Verbrauch ca. 5 Liter / 100 KM
  • Strompreis 22 ct/ kWh (brutto, Ökostrom), Verbrauch ca. 16 kWh / 100 KM
  • Instandhaltung + Fahrzeugpflege
  • Steuer + Versicherung
  • Verteilung der Anschaffungsnebenkosten auf die Leasingdauer
  • Installation Stromanschluss Garage
  • Berücksichtigung der Batterie-Sonderregelung bei der 1%-Regel

kostet der smart electric drive 365 Euro und der smart passion 296 Euro pro Monat. Damit ergibt sich eine monatliche Nettomehrbelastung von 69 Euro, also 23% mehr.

Nun… das ist mir Elektromobilität mit Ökostrom wert…

Am Anfang war…

 

smart Brabus

…die Parkplatznot. Das klingt jetzt nicht gerade nach der klassischen Motivation für Elektromobilität, ist aber leider so. 10 Jahre Seit 2000 wohnte ich in München Schwabing. Mittendrin statt nur dabei. Altbauwohnung, schönste Ecke in Schwabing, aber ohne Parkplatz. Und so lernt man schnell die Nachteile der französischen Parkweise der Nachbarn kennen: Die Stoßstangen sehen nach einem halben Jahr aus wie ein schlecht bedientes Spätzlebrett. Zerschabt, zerkratzt, und zudem zerdellt. Das schmerzt, besonders wenn man ein neues BMW 3er Cabrio sein eigen nennt. Jeder Heimweg verlängert sich durch die Parkplatzsuche automatisch um eine Viertelstunde, und nur mit viel Glück gibt’s dann auch in akzeptabler Laufentfernung einen Parkplatz. Einen dicken Hals bekommt man beim Anblick dieser kleinen Parklücken, bei denen man selbst unter beherzter Anwendung aller verfügbaren Einparkhilfen scheitern muss. Der Frust mündete also in einer resoluten Entscheidung: Ein Parkplatzkiller muss her. Und er kam, als hätte er darauf gewartet: Der smart Brabus als Cabrio. Und ich hatte Glück: Ich erspähte das Ausstellungstück der IAA 2000, Vollausstattung, Neupreis geschätzte 54.000 DM. Ein standesgemäß fahrbarer Elefantenschuh. Irgendwas mit 90 PS (spezielles Werkstuning), Höchstgeschwindigkeit 180 Km/h (bei dem kurzen Radstand gefühlte 250 Km/h :), Verbrauch aber auch bis zu 10 l/100 km. Super. Selbstredend klasse Beschleunigungwserte, leider mit dem smart-typischen „Nicken“ beim Schaltvorgang. Dennoch: Ich habe es nie bereut. Auch wenn ich Jahre danach noch erstaunte Mitfahrer hatte, die „noch nie in einem so kleinen Auto mitgefahren“ sind. Im Gedanken haben sie mich – aufgrund meiner knapp zwei Meter Körpergröße – sicherlich oft mit einem Schuhlöffel beschenkt. Aber egal, da war es: Das aus meiner Sicht adäquat urbane Fahrgefühl. Und es hatte Bestand bis Mitte 2012, bis uns bei 75.000 Kilometer der Motorschaden trennte. Finale, wirtschaftlicher Totalschaden.


smart electric drive

Die Parkplatznot war inzwischen kein Kaufentscheidungsgrund mehr. Dennoch, über die Jahre ist meine Vorliebe für urbane Fortbewegungmittel gewachsen und der smart verkörpert dies aus meiner Sicht hervorragend. Also hab ich mich bereits Ende 2011 mit dem möglichen Nachfolger des Brabus befasst. Der nächsten Stufe der – aus meiner Sicht – adäquat urbanen Fortbewegung: Einem Elektro-Auto. Die Ankündigung des smart fortwo electric drive im Oktober 2011 kam da wie gelegen. Also, beim smart Center München Probefahrt vereinbart, kurz videodokumentiert und kurz darauf die Vorbestellung abgeschickt.  Bei der Probefahrt war es noch die 2. Generation des smart electric drive. Der Motor klang noch nach Elektromotor, der Ladezustand des Akkus sank während der knappen Stunde Probefahrt rapide… Aber für die 3. Generation versprach man Besserung: 130 Nm Drehmoment, 0-60 km/h in 4,8 Sek., 0-100 km/h in 11,5 Sek, Reichweite ca. 150 Kilometer . Damit lässt sich arbeiten.

Im September 2012 konnte man eines der ersten 1.000 Modelle der 3. Generation bestellen. Für mich kam der electric drive nur als Cabrio in Frage. Mit einiger Sonderausstattung (Navi, Sound, Sitzheizung, Tagfahrlicht etc.) kommt er auf knapp 25.000 Euro brutto, ohne Batterie! Die schlägt dann monatlich nochmal mit 65 Euro zu buche. Ein stolzer Preis für einen elektrifizierten Elefantensneaker. Aber mit der Begeisterung für das Fahrzeugkonzept, der Abwendung von fossilien Brennstoffen und – nicht zu vergessen – dem Spass an der Beschleunigung (!) rechtfertige ich die Ausgaben vor mir selber. Bisher erfolgreich.

Die Auslieferung meines ED hat sich leider verzögert und ist nun für den 22.11.2012 geplant. In 10 Tagen ist es also soweit.

Hello World!

Und damit startet er, mein Blog zum Thema Elektromobilität. Hier will ich mein kleines Abenteuer dokumentieren, den Alltag mit einem Elektro-Auto. Abenteuer deswegen, weil die Entscheidung für ein Auto mit alternativen Antrieb immer noch ein kleines Wagnis ist. Nicht nur finanziell. Berichte über Testfahrten unterschiedlicher Elektro-Autos gibt es genug, aber ich habe wenig Informationen gefunden wie dieser Trend im Alltag zu bewerkstelligen ist.

Alex Wunschel

Kurz zu mir: Mein Name ist Alex Wunschel, 42 Jahre alt, ich wohne in München und bin Geschäftsführer der nextperts.net Strategie- und Kommunikationsberatung für digitale Medien. Ich bin Sternzeichen Wassermann, und das begründet vielleicht schon etwas die Expermentierfreude und den Spaß an Innovationen. 2003 hab ich mir wegen Parkplatzmangel in meiner damaligen Wohngegend Schwabing einen smart Brabus Cabrio zugelegt und bin damit dem Konzept urbander Fortbewegungsmittel erlegen. 2012 musste ein Ersatz her, und obwohl ich kein Parkplatzproblem mehr hatte entschied ich mich wieder für ein kleines Auto. Ein Elektro-Auto. Den smart fortwo electric drive.

Ein halbes Jahr will ich hier meine Erfahrungen mit der Elektromobilität mit Euch teilen, und ich freue mich auf Feedback, Eure Kommentare und bin gespannt auf die kommenden Wochen, Monate und Jahre.

Euer Alex