Fazit: Erfahrungen mit 1 Jahr smart fortwo electric drive

Seit 22.11.2013 bin ich nun aktiver Elektroauto-Fahrer: smart fortwo electic drive, Cabrio, „große Ausstattung“, Neupreis 24.107 € inkl MwSt. Spitzname „Wallie“. Getankt wird er bei uns in der Tiefgarage mit Ökostrom 230 V. Das kostete leider eine extra Leitung vom Stromverteiler in die Tiefgarage: 500 € Investition. Dafür läuft er auf einen extra Stromzähler und ich kann den Verbrauch / die Kosten als Betriebsausgaben geltend machen. Denn: Wallie läuft bei mir als Geschäftswagen, und über die 1%-Regelung wird er von uns privat genutzt.

Nach 12 Monaten, 7.373 Kilometer und 1.613 kWh Ökostrom lautet das erste Zwischenfazit: Der saubere Star für die City.

Was hat er gekostet?

tl;dr: 240 € pro Monat, alles in allem!

Neben der Frage „Wie weit fährt er denn“ ist die Frage nach den Kosten das zweitgrößte Interesse an dem Fahrzeug. Also listen wir einmal alle Netto-Ausgaben seit der Anschaffung auf (alle Angaben in Netto, weil Wallie beruflich genutzt wird):

  • Leasingkosten: 2.304 €
  • Versicherung: 468 €
  • KFZ-Steuer: 0 €
  • Batteriemiete: 660 €
  • Stromkosten: 340 €

In Summe liegen die Netto-Ausgaben also bei 3.772 € / Jahr (bzw. 314 € / Monat), die als Betriebsausgaben in die Buchhaltung laufen.

Dem steht nach der 1%-Regelung der zu versteuernde geldwerte Vorteil i.H.v. 241 € (1% des Brutto-Listenpreises) monatlich gegenüber. Durch die 1%-Sonderregelung für Elektroautos (Kosten für die Batterie mindern den zu versteuernden geldwerten Vorteil) gehen aber nochmal 85 € monatlich ab, sprich es bleibt ein zu versteuernder geldwerter Vorteil von 1.872 € / Jahr.

Bleiben 1.900 € Ausgaben, welche bei einem Grenzsteuersatz von 42% die Steuerbelastung um ca. 800 € mindern.

D.h. der smart ED „kostet“ mich ca. 240 € / Monat (Inklusive allen Ausgaben und nach Steuer).

Wie funktioniert das Laden?

Tanken in der Tiefgarage

Tanken in der Tiefgarage

Wallie wird bei uns in der Tiefgarage geladen. 230 V. Abends rein und wenn er unter 80% Ladekapazität ist: Ran an die Dose. In den letzten 12 Monaten kam es eigentlich nur ein einziges Mal zu einer „kritischen“ Situation, als ich bei Minustemperaturen im Stau stand und wir noch etwas außerhalb von München ein Termin hatten. Sonst: Keinerlei Probleme.

Weitere Erkenntnisse:

PRO:

  • ++ Der Fahrspass: Beschleunigung wie am ein Gummiband, von 0 auf 60 in 4,8 Sec. Und das alles mit er Kraft aus Wasser und Wind. Ein klasse Gefühl.
  • ++ Er wird sofort warm im Winter, da die Heizung wie ein Fön funktioniert und die Sitzheizung schon auf Stufe 1 einen warmen Hintern macht.
  • + Die programmierbare Vorklimatisierung ist nicht nur im Winter ein angenehmes Feature, sondern wärmt scheinbar auch die Batterie vor und hilft damit Strom auf der Strecke zu sparen.
  • + Die Kosten: Ca. 5 € Stromkosten auf 100 km entsprechen zwar ungefähr dem Verbrauch eines smart CDI. Aber im Sommer ist man mit 3,5 € unschlagbar günstig und umweltschonend unterwegs.

CONTRA:

  • — Der Verbrauch im Winter (siehe Grafik): Die Reichweite sinkt bei Minustemperaturen um ca. 40% auf ca. 75 km (anstatt 120 km im Sommer), der Strombedarf steigt um gut 50%. Ein Fakt, der in der Kommunikation bei fast allen Herstellern etwas unter den Tisch fällt. Das wird den ein oder anderen Elektroauto-Novizen noch „kalt erwischen“.
  • — Die Vorklimatisierung funktioniert „leider“ nur bei Steckdosenbetrieb. Das ist besonders im Winter schade, wenn 5 Minuten Vorheizen eigentlich für ein wohlig-warmes Auto sorgen würden.
  • Mehrverbrauch durch Steigungen auf längeren Strecken: Die smart Vehicle Homepage zeigt in der Ansicht des geplanten Routenprofils und auch die Steigungen auf der Route und berechnet den zusätzlichen Strombedarf. Daran sollte man sich bei der Planung längerer Strecken auch halten, sonst bleibt man auf dem Weg ins Allgäu mit den gefühlten 120 km Reichweite nicht wirklich zum Ziel. Denn hier kosten 200 Höhenmeter netto auf der Strecke schon mal 20% der geplanten Reichweite.
  • – Die Fernbedienung über die smart Vehicle Homepage ist für mich leider nicht ganz praktikabel. Der Sync mit dem Com-Modul ist unregelmäßig und lässt sich leider nicht aktiv anstoßen. D.h. man hat keine aktuellen Daten über das Fahrzeug, wenn man eine Route planen will.
  • – Fehlende Kompatibilität mit Schnelladern: Bei der Anschaffung muss man sich zwischen den Ladesystemen entscheiden: 230 V mit 3,3 kw-Bordlader, Schnelladestation / Wallbox oder 22 kW Bordlader. D.h. man kann dann leider kein Schnelladesystem an den öffentlichen Ladestationen verwenden, selbst wenn man einen Stecker dafür hat. Das ist sehr schade.

Stromkosten

FAZIT: 

Ich möchte ihn nicht missen und nicht mehr hergeben. Es ist aus meiner Sicht einzeitgemäßes, perfektes urbanes Mobilitätskonzept und fügt sich bei uns hervorragend in den Mobilitätsbedarf ein. Ohne eigene Steckdose ist mal allerdings aufgeschmissen.

Wie ist Eure Erfahrung?

Routenplanung a’la Volt – achte genau auf dein Routenprofil!

Der nachfolgende Effekt ist für Flachlandtiroler sicherlich zu vernachlässigen. Aber mich hat’s bei einem kurzen Ausflug ins Allgäu kalt erwischt. Denn da geht’s – wen wundert’s – bergauf!

Merke: Bei einer Routenplanung mit einem Elektroauto in Bayern ist nicht nur die Entfernung, sondern natürlich auch das Routenprofil zu beachten. Sprich, der Höhenunterschied zwischen Start und Ziel, und letztlich auch das das Auf und Ab dazwischen. Mit einem Verbrenner fällt einem das eigentlich nur bei einer Spritztour in Gletscherskigebiete auf. Ein Elektroauto aber kostet eine hügelige Wegstrecke schon mal schnell 10 – 15% der Reichweite.

Vor kurzem besuchte ich meine Oma, wohnhaft in Hohenfurch.

  • Entfernung von München: 81 km.
  • Verfügbare Reichweite lt. Display: 110 km.

Kein Problem, dachte ich. Auf Langstrecke mit durchschnittlich 100 km/h und ohne große Beschleunigungsanstrengungen rollt Wallie locker seine 120 km, egal bei welchem Wetter. Dachte ich. Als ich auf dem Hinweg trotz anfänglich voller Ladung mit den letzten 5% ins Dorf kroch, da wusste ich: Da ist einiges in den Anstiegen auf der Strecke geblieben. Der Grund: Hohenfurch liegt knapp 200 Meter höher, und die Strecke dorthin hat auch noch die ein und andere größere Rampe. ABER: Nach dem Rückweg am Abend hatte bei der Ankunft in München noch über 20% auf der Uhr.

Lerneffekt: Langstrecke bleibt also auch hinsichtlich des Höhenprofils eine Herausforderung.

Die Lösung:

smart bietet in der smart Vehicle Homepage eine Routenberechnung mit Reichweitenvorhersage. Damit wird die Reichweite anhand des zu erwartenden Routenprofils prognostiziert. Hier mal ein Beispiel: Aktuell steht der smart mit 92% Ladezustand bei uns. Das ergibt – berechnet auf Basis des Durchschnittverbrauchs der letzten 75 km – eine aktuell mögliche Reichweite von 67 km:

Routenplanung mit Reichweitenvorhersage

Routenplanung mit Reichweitenvorhersage

Würde ich also jetzt nach Hohenfurch fahren, also 200 Höhenmeter „aufwärts“, dann wäre auf dem Hinweg nach 65 km Schluss:

Routenplanung mit Höhenprofil

Routenplanung mit Höhenprofil – nur 65 km auf dem Hinweg

Auf dem Rückweg würde mir bei gleicher Ladung jedoch erst nach 73 km an der Münchner Stadtgrenze die Puste ausgehen. Theoretisch.

Routenplanung mit Höhenprofil

Auf dem Rückweg sind schon 73 km möglich

Damit ist der Routenplaner zumindest eine erste Hilfe. Verlassen würde ich mich jedoch keinesfalls auf die angegebenen 65 km Reichweite für den Hinweg. Die Rückreise würde ich wagen.